Segeberger Psychosomatiktage

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Seit 2012 führen wir mit großem Erfolg und positivem Echo die Segeberger Psychosomatik-Tage durch. Bewusst wählen wir Themen aus, die aktuell, fachlich relevant und für die klinische Arbeit gewinnbringend sind und doch etwas außerhalb des Mainstreams der Psychosomatik liegen. So war die erste Tagung der Aktualität Georg Groddecks, die zweite Tagung dem Phänomen der Hysterie gewidmet und im Jahr 2016 fragten wir nach der „Macht und Ohnmacht des Realen“, jener Lacanschen Dimension des Psychischen, die unfassbar und unbegriffen, in ihren Präsenz-Effekten jedoch unmittelbar spürbar ist.

Im Jahr 2018 wollen wir ein weiteres zentrales Motiv aus der Lacanschen Psychoanalyse zum Thema unserer Tagung machen, die „Jouissance“: ein intensives, auch lustvolles Erleben, das sich andererseits oft auch als ein schmerzliches oder sogar traumatisches Genießen beschreiben ließe. Die Jouissance wird verstanden als eine Konkretisierung durchdringender Emotionen, welche zwar erfahren werden, aber nicht bewusst repräsentiert und durch ein traumatisiertes Ich nicht assimiliert werden können. Die Jouissance ist der Motor der Wiederholung und spielt sowohl in der Psychotherapie wie in der psychoanalytischen Behandlung eine wichtige Rolle. Hier stellen sich verschiedene interessante Fragen: Weshalb suchen Menschen immer wieder traumatische Situationen auf? Welche Rolle spielt die Jouissance bei der Suche nach der Repräsentanz? Welchen Stellenwert hat die Jouissance in der libidinösen Ökonomie? In welchem Verhältnis stehen Jouissance und psychosomatische Symptombildung? Wie lässt sich Jouissance aus einer neurobiologischen Perspektive beschreiben, wie aus philosophischer Sicht fassen?

An der Segeberger Tagung, welche psychotherapeutische und naturwissenschaftliche ebenso wie philosophische Aspekte zusammendenken soll, beziehen internationale Expertinnen und Experten aus der Psychoanalyse und Psychotherapie, aus der Neurobiologie und der Philosophie zu diesen hier aufgeworfenen Fragen anhand von Vorträgen, Co-Referaten, Workshops und Panels Stellung. 

Mit herzlichen Grüßen.

Prof. Dr. med. Lutz Götzmann
Dipl. Psych. Oliver Bohlen